Mehr Schärfentiefe durch Focus Stacking

Gepostet von am 21 Mai 2013 in Photography, Slider

Schärfentiefe? Was ist damit gemeint?

Mit Schärfentiefe bezeichnet man das Ausmaß des scharf dargestellten Bereiches im Bild. Wie man links im Bild gut erkennen kann, ist der Bereich sehr schmal.

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Die Größe des scharf dargestellten Bereichs hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen wäre da die Blende, die Brennweite und auch der Abstand zum Motiv. Die Schärfentiefe wird größer, bei kleiner Blende, kleiner Brennweite und größerem Abstand zum Motiv. Darüber hinaus gibt es noch einige Faktoren, die aber nicht so sehr ins Gewicht fallen.

So, aber auf was will ich hinaus? Wollen wir jetzt eine große Schärfentiefe oder eine kleine?
Das lässt sich nicht allgemein beantworten und hängt vom Motiv und vom gewünschten Bildlook ab. Gerade in der Porträtfotografie wünscht man sich meißt eine geringe Schärfentiefe. Das sind die Bilder, in denen das Gesicht scharf dargestellt ist und der Hintergrund stark verschwommen. Man spricht dann von einer „Freistellung“ des Motivs. Dieser Look wird auch gerne als „Filmlook“ bezeichnet.

Aber, wie ihr euch schon denken könnt, gibt es auch den Fall, dass man eine große Schärfentiefe wünscht. Gerade in der Macrofotografie, also wenn man kleine Motive möglichst groß darstellen will, wird der eben noch gewünschte Effekt plötzlich unerwünscht. Gerade im Macrobereich  ist der Bereich, der scharf dargestellt wird, extrem klein. Hier kann es durchaus sein, dass der scharfe Bereich nur im mm-Bereich liegt. Ich will das mal an einem Beispiel verdeutlichen.

batterien

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Wie man in dem Bild gut sehen kann, ist es schwierig alle drei Batterien im scharfen Bereich zu haben. Jetzt könnten wir an den oben genannten Parametern spielen.

  1. Abstand vergrößern. Geht natürlich, hat aber den Nachteil, dass das Motiv nicht mehr formatfüllend im Bild ist.
  2. Brennweite verringern. Auch das geht, hat aber letztlich den gleichen Nachteil, wie bei Punkt 1.
  3. Kleine Blende wählen. Hier wird der scharfe Bereich vergrößert. Das wählen einer kleinen Blende hat aber Nachteile. Zum einen fällt weniger Licht auf den Sensor, was höhere Belichtungszeiten und dadurch eventuelles verwackeln zur Folge hat, oder die ISO wird angehoben, was wiederum Rauschen zur Folge haben kann. Dazu kommt, dass bei sehr klein gewählten Blenden die Beugungsunschärfe immer stärker zum tragen kommt, was die Bildqualität wieder mindert.

Und damit kommen wir zum bereits im Titel genannten Punkt. Das Focus Stacking.

Beim Focus Stacking werden vom selben Motiv mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichem Fokuspunkt erstellt. Anschließend werden diese Bilder mit ihrem jeweils schärfsten Bildbereich mittels Software überblendet, so dass am Ende ein einzelnes Foto mit großer Schärfentiefe entsteht. Wichtig dabei ist, dass jedes Foto mit den gleichen Belichtungswerten gemacht wird. Also Belichtungszeit, Blende, Weißabgleich, Blitz etc. Einzig der Fokuspunkt wird verschoben. Ein Stativ ist hier schon fast Pflicht.

Bekannte Programme die dazu in der Lage sind, sind z.B. Adobe Photoshop, Helicon Focus oder Combine ZM.

Hier ein Beispiel:
Von links ist die Pusteblume im äußeren Bereich scharf. Ganz rechts sind genau die Samen im Zentrum scharf. Beim mittleren Bild liegt die Schärfe irgendwo dazwischen.

Pusteblume_2

Und hier noch das Ergebnis. Wie man sieht ist die Pusteblume nun komplett scharf.

Pusteblume

Wie man den Fokus verstellt hängt von der Kamera und vom vorhandenen Equipment ab. Die einfachste, aber auch ungenauste Methode ist, den Focus manuell in kleinen Schritten zu verstellen. Der Monitor der Kamera und die Lupe können hier sehr hilfreich sein. Darüber hinaus gibt es Macroschlitten, bei denen nicht der Focus am Objektiv verstellt wird, sondern die Kamera auf einem Schlitten montiert ist und damit vor und zurück bewegt wird. Last but not least, gibt es Lösungen die das Mobiltelefon oder den Tablet-PC als Steuerung für den Focus einsetzen.

Allzeit genug Licht.
Björn

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